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Einführung zum Roten Rathaus

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Das Rote Rathaus Berlin


Das Berliner Rathaus, aufgrund seiner Terrakottafassade auch Rotes Rathaus genannt, steht in der Mitte Berlins. Es ist heute wieder Sitz des Regierenden Bürgermeisters und des Senats von Berlin. Darüber hinaus dient das Rote Rathaus bei offiziellen Empfängen auch repräsentativen Zwecken der Stadt. Im dort liegenden Goldenen Buch der Stadt Berlin haben sich zudem berühmte Gäste wie Elisabeth II., John F. Kennedy und Marlene Dietrich verewigt.


1380 wurde das Berliner Rathaus erstmals urkundlich erwähnt. Der erste Rathaus-Bau wird südlich der Nikolaikirche am Molkenmarkt vermutet. Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Rathaus an die heutige Stelle an der Ecke Spandauer- und Rathausstraße verlegt. Das letzte an dieser Stelle stehende Rathausgebäude wurde 1861 wegen Baufälligkeit abgerissen, die dazugehörige Gerichtslaube von 1555 wurde erst 1871 abgetragen und - wesentlich verändert - im Schlosspark von Babelsberg wieder aufgebaut.


1856 schrieb der Architektenverein zu Berlin einen Wettbewerb für den Neubau aus, aber keiner der sechs eingereichten, preisgekrönten Entwürfe setzte sich durch. Hermann Friedrich Waesemann hatte an dem Wettbewerb nicht teilgenommen. Er reichte seine Entwürfe verspätet ein. Nach seinem Vorschlag sollte ein Gebäude im Neo-Renaissancestil entstehen, welches sich als eine Vierflügelanlage im Rundbogenstil mit insgesamt drei Innenhöfen und einem knapp 74 m hohen Turm auszeichnet. Nach verschiedenen Gutachten und nochmaliger Überarbeitung wurde Waesemanns Entwurf am 19. Juli 1860 bestätigt.


Zwischen 1861 und 1869 wurde gebaut. Nach Fertigstellung des ersten Bauabschnittes an der Jüdenstraße tagte der Magistrat hier erstmals am 30. Juni 1865. Das Richtfest wurde am 9. November 1867 begangen; am 6. Januar 1870 fand die erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im neuen Berliner Rathaus statt.


In den Jahren 1876 bis 1879 wurden die Balkonbrüstungen des ersten Stockwerks mit einem Fries umgeben, der 36 Terrakotta-Relieftafeln schmückt. Sie zeigen Ereignisse der Geschichte Berlins und Brandenburgs vom 12.Jahrhundert bis zur Reichsgründung 1871 und wurden von Ludwig Brodwolf, Alexander Calandelli, Otto Geyer und Rudolf Schweinitz gestaltet. Schon 1882 wurde das Rathaus mit Fernsprechanlagen ausgestattet; 1884/ 85 erfolgte mit einer eigenen Kraftstation im Hause die Umstellung von der Gaslampe auf elektrische Beleuchtung. Im Rathaus befinden sich mehrere erwähnenswerte Räume. Der Wappensaal war ursprünglich der Tagungsort der Stadtverordnetenversammlung. In den Fenstern des Saals sind die Wappen aller Berliner Stadtbezirke eingearbeitet. Daher sein Name. Heute werden hier vor allem Staatsgäste empfangen.


Der Säulensaal ist der schönste Saal des Roten Rathauses. In der 9 Meter hohen Halle wird das Kreuzgewölbe von prächtigen Säulen getragen. Ursprünglich war hier die Bibliothek untergebracht. Heute wird der Säulensaal für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.


Der Große Festsaal wurde beim Bau für Feierlichkeiten angelegt, diese finden dort noch heute statt. Bemerkenswert ist das dort hängende Bild „ Der Berliner Kongress von 1878“ von Anton von Werner. Es zeigt den Berliner Friedensschluss zwischen Russland und der Türkei. Politiker wie Otto von Bismarck, Bernhard von Bülow und Fürst Gortschakow sind zu erkennen. Das Gemälde hängt nach seiner Restaurierung nun wieder an dem Platz, an dem es bereits in den Jahren von 1881 bis 1945 hing. Es hat die enorme Größe von 6,15 Meter Breite und 3,60 Meter Höhe. In den Fluren der dritten Etage sind die Portraits aller Ehrenbürger Berlins angebracht.


In den 1920er Jahren fand eine Vergrößerung des Stadtverordnetensaales statt, in der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Innenräume und das große Treppenhaus umgestaltet.


Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Rathaus von 1951 bis 1956 wieder aufgebaut und in der Innenarchitektur grundlegend verändert. Viele Räume erhielten andere Funktionen, wurden stark vereinfacht oder im Stil der 1950er Jahre neu gestaltet. Zur 750-Jahr-Feier wurde mit der Instandsetzung der Außenfassade begonnen.


In Folge der Teilung Berlins beherbergte das Rathaus nun den Ostberliner Magistrat und den Oberbürgermeister von Ostberlin. Der Senat West-Berlins war bis 1991 im Rathaus Schöneberg untergebracht. 1991 zog die wiedervereinigte Verwaltung offiziell zurück ins Rote Rathaus und ihr folgten umfangreiche Modernisierungs- und Umbauarbeiten unter der Leitung des Architekten Helge Pitz. Es galt, ohne größere Eingriffe in das denkmalgeschützte Gebäude behutsam die moderne Technik von heute einzubauen. Deutliche Zeichen der Moderne sind die Aufzugstürme in den Innenhöfen und alle Installationen, wie zum Beispiel die Beleuchtung auf den Fluren. An der Außenfassade Jüdenstraße befinden sich Gedenktafeln für Wilhelm Krausnick (Oberbürgermeister von 1834 bis 1862) und den Rathausbaumeister Hermann Friedrich Waesemann. Im großen Innenhof sind Gedenktafeln zur ersten Sitzung des Magistrats 1865, der ersten Stadtverordnetenversammlung 1870 und zur Feier aus Anlass des Zusammentritts des Ersten Deutschen Reichstages am 17. April 1871 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. angebracht. Im hinteren Hofbereich macht eine Tafel auf das Verhältnis des alten preußischen Ruten-Längenmaßes zum Meter (3,766) aufmerksam.


Von 2005 bis 2006 wurde die Bausubstanz am Turm erneuert. Innerhalb der einjährigen Sanierung wurden auch die Ziffernblätter der Turmuhr neu vergoldet. Seit Juni 2010 erzeugt eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Gebäudes rund 36.000 Kilowattstunden Strom im Jahr.


2010 wurden bei Grabungen vor dem Rathaus Kunstwerke gefunden. Es handelt sich dabei um Stücke, die von den Nationalsozialisten als entartet beschlagnahmt wurden. Sie werden nun im Neuen Museum auf der Museumsinsel ausgestellt.