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Audiodeskription Haus der Kulturen der Welt


Die Institution Haus der Kulturen der Welt hat ihren Sitz in der ehemaligen Kongresshalle mitten im Regierungsviertel Berlins. Ihre ausgefallene Architektur macht sie zu einem der interessantesten Bauwerke Berlins.


Erbaut wurde die Kongresshalle 1957 als amerikanischer Beitrag zur internationalen Bauausstellung INTERBAU, die im selben Jahr in Berlin stattfand. Geplant war ein modernes Veranstaltungsgebäude, das als Symbol westlicher Freiheit gen Osten ausstrahlen sollte. Die Kongresshalle ist demnach nicht lediglich ein praktischer Bau für Veranstaltungen, sondern ein Zeichen für den Kalten Krieg und den Konflikt zwischen Ost und West.


Das Gebäude steht auf einem Hügel, der künstlich aufgeschüttet wurde. Durch diese Erhöhung sollte es vom Ostteil Berlins aus sichtbar sein und gleichzeitig Überlegenheit implizieren. Das zukunftsweisende Sendungsbewusstsein des Westens spiegelt sich auch in der Optik der Gesamtanlage wieder: vor dem Haus der Kulturen ist ein künstlicher See angelegt, über den ein Steg zu einer rechteckigen Plattform führt. Über eine Treppe gelangt man auf die erhöhte und begehbare Plattform. In ihrer Mitte steht das Haus der Kulturen der Welt. Diese künstliche Anlage zusammen mit der ausgefallenen Architektur des Gebäudes inmitten des grünen Tiergartens wirken futuristisch. Fast könnte man meinen, ein Ufo hätte sich in die Mitte Berlins verirrt und sei vorübergehend hier gelandet.


Eine weniger abgehobene Beschreibung des Aussehens des Gebäudes ist den Berlinern gelungen, die ihre Kongresshalle jahrzehntelang ironisch-liebevoll als schwangere Auster tituliert haben. Dieser Kosename spielt auf das große, markant geschwungene weiße Dach an. Es erinnert auf den ersten Blick an ein aufgespanntes Segel oder eben an die obere gewölbte Schale einer Muschel. Da das Gebäude gleich einer Insel auf dem künstlichen See steht, spiegelt sich dieses Dach im Wasser. Durch diese Spiegelung bekommt die Muschel ihre zweite Hälfte, die untere Muschelschale. Zwischen den Muschelschalen befindet sich der Gebäudekörper, der ebenfalls im Wasser gespiegelt wird und dadurch einem runden, prallen, eben schwangeren Bauch zu gleichen scheint. Damit ist das Bild der schwangeren Auster komplett.


Die Dachkonstruktion bietet je nach Perspektive eine andere Optik.
In der Frontalansicht blickt der Betrachter auf das schon beschriebene Bild der Muschel. Der annähernd zylindrische Gebäudekörper präsentiert sich in einem hellen Rot. Steht man direkt davor, erkennt man an der linken Seite den verglasten Eingangsbereich. Dieser befindet sich an der linken Seite des Gebäudekörpers und hat die Form eines flachen Ovales. Charakteristisch in dieser Ansicht ist das segel- oder zeltartig hochgewölbte Dach, welches über das Gebäude hinausragt und rechts und links bis auf den Boden der Mittelplattform reicht.


Bei einem Rundgang erkennt man in der Seitenansicht, dass dieses Dach in der Mitte an den Punkten wo es den Boden berührt im Gegenteil eine deutliche Wölbung nach unten hat, als hätte jemand eine Falte quer durch das Dach gelegt. Von diesem Standpunkt aus erinnert das Dach nicht an ein Zelt oder Segel sondern eher an einen Rochen, der seine flügelförmigen Flosssen beim Schwimmen nach oben bewegt.


Diese unterschiedliche Optik entspricht gewissermaßen auch der aktuellen Nutzung des Gebäudes: das Haus der Kulturen ist ein Ort, an dem sich die unterschiedlichen Kulturen der Welt mit ihren ganz unterschiedlichen Sichten auf die Welt präsentieren und untereinander kommunizieren können.