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Einführung zum Haus der Kulturen der Welt


Das Haus der Kulturen der Welt hat seinen Sitz in der ehemaligen Kongresshalle im Berliner Tiergarten am Südufer der Spree mitten im Regierungsviertel. Die Kongresshalle entstand neunzehnhundertsechsundfünfzig 57 als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung INTERBAU 1957. Als Symbol der amerikanischen Freundschaft wurde der Bau im folgenden Jahr an West-Berlin als Geschenk übergeben. Der Bau war damals technisch revolutionär und bietet vor allem durch das Dach eine besondere Optik. Die eigentliche Halle ist eine Art Zylinder, dessen Oberkante oval geformt ist. Auf dieser ovalen Kante ruht das große geschwungene Dach. Es ragt über die Halle hinaus und reicht links und rechts bis zum Boden. Die Berliner haben das Gebäude deshalb auf den Namen „schwangere Auster“ getauft.


Das Gebäude ist aufgrund seiner Entstehungszeit mitten im Kalten Krieg symbolisch aufgeladen. Die moderne Konstruktion sollte Freiheit und Fortschritt bedeuten. Gleichzeitig versuchte man damit die Überlegenheit der westlichen Demokratie gegenüber dem Ostblock auszudrücken. 1980 kam es zu einem tragischen Zwischenfall: aufgrund von baulichen Mängeln stürzte während einer Konferenz die Dachkonstruktion ein und verletzte einen Journalisten tödlich. Der Wiederaufbau dauerte bis 1987.


1989 wurde das Haus der Kulturen der Welt gegründet, das sich selbst als kosmopolitischer Ort für internationale Kunst der Gegenwart versteht. Das Projekt findet seinen Sitz in der ehemaligen Kongresshalle. Gegründet in einem Jahr der großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, findet es seine passende Heimat in einem Gebäude, das bei seiner Erbauung für Progressivität, Modernität und Aufbruch stehen sollte. Das Haus der Kulturen der Welt dient als Forum für aktuelle Strömungen in der internationalen Kunst mit Schwerpunkt auf den außer europäischen Kulturen. Mit seinen Veranstaltungen will es den Dialog über Kunst und Kultur auf der internationalen Ebene fördern. Die Räumlichkeiten umfassen Ausstellungshalle, ein großes Auditorium als Theater- und Konzertsaal, Konferenzräume, Produktionsstätten, Café und Restaurant sowie eine große Dachterrasse.


Da 1989 die Mauer noch existierte, lag die Kongresshalle innerhalb Berlins sehr abgelegen als das Haus der Kulturen der Welt dort einzog. Mit dem Fall der Mauer Ende 1989, veränderte sich dies und das Haus der Kulturen rückte ins Zentrum Berlins. Durch den Bau des Regierungsviertels bis Ende der neunzehnhundertneunziger Jahre wurde der Standort immer beliebter.


Im ersten Jahr startet das Haus als Reaktion auf den überraschenden Einzug der rechtsradikalen Republikaner in das Berliner Abgeordnetenhaus seine Arbeit mit einer Ausstellung zur türkischen Kultur in Deutschland. Mit dem Fall der Mauer im November rückt das Gebäude vom Rand ins Zentrum Berlins. Die Veranstaltungen orientieren sich am aktuellen weltpolitischen Geschehen. 1990 erfolgt die Freilassung Nelson Mandelas und die letzte afrikanische Kolonie Namibia wird unabhängig. Das Haus der Kulturen der Welt thematisiert die afrikanische Kultur, das Verhältnis Europas zum afrikanischen Kontinent und fordert zur Auseinandersetzung mit dem westlichen Blick auf Afrika auf. Als im Jahr 1991 der Zweite Golfkrieg stattfindet, steht mit „Gesichter des Islam“ der Nah-Ost-Konflikt im Mittelpunkt. Bis zum Jahr 1992 hat das Haus der Kulturen der Welt sich fest in der Berliner Kulturlandschaft etabliert.


Mit dem Umzug des Regierungssitzes nach Berlin, wird die Lage auch für den Bund interessant. Doch geplante Nutzungen der Räumlichkeiten durch die Politik können abgewendet werden und die ehemalige Kongresshalle bleibt Ort für den kulturellen und künstlerischen Dialog. Die Verhüllung des nahe gelegenen Reichstages 1995 durch den Künstler Christo lässt den Tiergarten zum Besuchermagneten werden, wovon auch das Haus der Kulturen profitiert. Im folgenden Jahr fand die erste Biennale in Johannesburg statt und setzte ein Zeichen für das Ende der Apartheid. Unter dem Titel „Colours“ richtete das Haus der Kulturen die erste internationale Kunstausstellung mit afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern aus. Nelson Mandela besuchte zu diesem Anlass persönlich die Kongresshalle und hielt eine Ansprache. Von 2006 bis 2007 wurde das Gebäude anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Hauses im Jahr 2007 gründlich renoviert.


Mittlerweile besteht das Haus der Kulturen der Welt über ein halbes Jahrhundert und hat unter seinem Dach die verschiedensten Kulturen und Kunstformen vereint: von Indien über China bis hin zu Afrika reflektierte es anhand von Literatur, Film, Ausstellungen oder Konferenzen über Fragen der Zeit gemeinsam mit Kunstschaffenden und Kunstbetrachtenden.