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BonBon in MITTE
oder, wie uns Herr Stecher die traditionelle Herstellung von Bonbons vorführt


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In den aufwendig restaurierten Heckmann-Höfen, einige der Gebäude sind noch aus dem 17.Jahrhundert, findet der Besucher fast alles, was das Herz begehrt. Neben feinster Gastronomie gibt es eine Buchhandlung, einen Friseur, ein Photoatelier, Mode, Möbel und vieles mehr. Und es gibt die Bonbon- Macherei von Katja Kolbe und Hjalmar Stecher. Ein Paradies für Kinder, aber auch andere Schleckermäulchen. Der Duft, der einem beim Betreten des vielleicht 40 Quadratmeter großen Raumes entgegenschlägt ist fast atemberaubend. Mein 13-jähriger, pickeliger, pubertierender super cooler Sohn, vergaß alle Coolheit, stand mit offenem Mund vor den Bonbonregalen und konnte sich nur noch zu einem „Boahhh-ey“ durchringen.


Wie aber kam es, dass Katja Kolbe und Hjalmar Stecher einen Bonbonladen mit Schauküche, hier in den Heckmann-Höfen eröffneten? Wir können den Werdegang in einem kleinen Büchlein nachlesen, das die Betreiber selbst herausgegeben haben.


1992 begann alles mit der Übernahme eines Bonbongroßhandels und der Belieferung von Berliner Süßwarenläden und Marktständen. 1994: Eine völlig veraltete Bonbonmanufaktur in Braunschweig gibt auf. Katja Kolbe und Hjalmar Stecher erwerben die alten Originalrezepturen, Originalmaschinen und Walzen. Gerade noch rechtzeitig erlernen sie die traditionelle Bonbonherstellung. So können viele Spezialitäten, wie z.B. die Berliner Maiblätter bewahrt werden. 1995 kochen sie in der „alten Garage“ in Prenzlauer Berg traditionell über dem Feuer und stellen kleine Mengen Qualitätsbonbons nach überlieferten Rezepten her.


1998 wird die Schauküche in der „WeiberWirtschaft“ endlich Wirklichkeit. Das Interesse der Medien und des Publikums ist groß, verhindert aber nicht, dass Katja Kolbe und Hjalmar Stecher bald wieder raus müssen. Das Gebäude wird saniert. 1999 stockt die Produktion für mehr als ein halbes Jahr. Die Schauküche verstaubt in Containern. 2000 - endlich! In den Heckmann-Höfen wird die Schauküche wieder entstaubt und geht in Produktion!
Herr Stecher, einmal Maiblätter, bitte: In einem Kupferkessel werden in Wasser aufgelöster Zucker und Glukosesirup bis 150 Grad über dem Feuer erhitzt. Der flüssige Zucker wird auf eine kühle Stahlplatte gegossen. Erst jetzt werden je nach Sorte die charakteristischen Zutaten eingestreut. Durch mehrmaliges Falten mit einem Spachtel werden die Gewürze gleichmäßig verteilt. Der Mischvorgang wird durch Kneten abgeschlossen. Es ist nun ein weicher, heißer Bonbon von ca. 10 Kilogramm.


Vor der Verarbeitung in der Bonbonmaschine wird der Teig portioniert. Die kleinen Portionen werden in die Prägewalzen geschoben. Beim Walzen entstehen lange Bahnen zusammenhängender Bonbons. Vor dem nächsten Schritt müssen die Bahnen noch etwas aushärten. Über eine Stufe im Arbeitstisch zerfallen die Bahnen in einzelne Bonbons. Bruchstücke und Krümel werden herausgesiebt. Jetzt fehlt unseren Berliner Maiblättern nur noch die Verschönerung. Im Dragierkessel erhalten die Bonbons einen Zuckerüberzug, damit die Prägung deutlicher hervortritt. Fertig!


Der Verkaufsraum ist durch eine brusthohe Plexiglasscheibe von der Schauküche abgetrennt. So können wir Herrn Stecher völlig ungestört bei seiner Arbeit beobachten. Er erzählt dabei auch charmant was und warum er es macht. Die Gerüche- ein Traum! Die Geräusche, wenn der heiße Zucker auf das Blech fällt, die etwas abgekühlte Masse zwischen zwei Rollen in die typische Bonbonform gepresst wird, die fertigen Bonbons durch einfaches Fallen lassen zerbrochen werden und schließlich in einer Trommel rotierend ihre letzte Zuckerschicht bekommen, sind klar und deutlich zu vernehmen.


Vorher haben wir noch die Möglichkeit die uralten Kupferrollen, die den Bonbons ihre Form geben, taktil zu erfassen. Dass wir uns nach der Kochshow, die ca. 45 Minuten dauert, mit Bonbons eindecken, erübrigt sich wohl zu erwähnen. Ich finde die Bonbons auch wirklich erschwinglich. Die Show ist umsonst.


Herr Stecher bittet darum, dass sich Blinde Besucher vorher anmelden und auch etwas früher erscheinen, da er nur diesem Publikum das Anfassen der Kupferrollen erlauben kann.


Bonbonmacherei in den Heckmann Höfen
Oranienburger Strasse 32
10117 Berlin-Mitte
Telefon Laden: 030 / 44 05 52 43
Telefon Anrufbeantworter: 030 / 612 73 37
Homepage: www.Bonbonmacherei.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 12 bis 20 Uhr, Sommerpause: Juli, August