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Berliner Unterwelten
oder
Wie ich zu den Berliner Unterweltlern kam


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"Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen helfen?", sprach ich eine junge blinde Frau an, die offensichtlich sehr unsicher war. "Gerne, es ist hier so laut, dass ich nicht weiß, in welcher Richtung die Signalampel grün anzeigt." Die Kreuzung Gleimstraße/ Schönhauser Allee in Berlin Prenzlauer Berg ist tatsächlich wahnsinnig laut. 3 Spuren Richtung Alexanderplatz, 3 Spuren in die andere Richtung, die Gleimstraße kreuzt mit 4 Spuren und über unseren Köpfen die U-Bahntrasse.

 

Die Idee, einen akustischen Stadtführer für Blinde zu machen, war noch ganz frisch und unausgegoren. Jessica, so heißt die geburtsblinde 24-jährige Studentin der Sozialwissenschaften, fand diese Idee super. Noch am selben Abend trafen wir uns in einem Kaffeehaus.

 

Welche Bedürfnisse hat ein Blinder, was ist interessant, was nicht? Fragen über Fragen, die Jessica geduldig und engagiert beantwortete. Und dann erzählte sie mir von Martin Rauhut, einem sehbehinderten Freund von ihr, der als Assistent die Führungen in den "Berliner Unterwelten" betreut. Er hatte vor ein paar Wochen für Jessica eine private Blindenführung veranstaltet und sie war begeistert. Begeistert von der Atmosphäre, der Akustik, dem Unheimlichen, das diese Bunkeranlage ausstrahlt. Das war im Oktober 2006.

 

Ich habe mich mit Herrn Rauhut, mit Martin, verabredet und stieß auch bei ihm auf großes Interesse. Es folgten eine Reihe von Treffen mit Verantwortlichen, Telefonate, Emails. Es war für Martin und mich nicht immer leicht, die Ängste von Seiten der „Unterwelten“ zu zerstreuen. Verständliche Ängste. Hauptsächlich die der Unfallgefährdung von blinden Besuchern. Wir waren hartnäckig und der Vorstand der "Berliner Unterwelten" einsichtig. Martin Rauhuts Prüfung, die ihn berechtigt selbständig Führungen zu leiten, wurde von den Verantwortlichen um 6 Monate vorverlegt. Auch das ein Zeichen für das aktive Interesse, dem blinden Publikum die Unterwelten zu öffnen.

 

Am 23.6.2007 fand die erste offizielle Blindenführung statt. Es ist noch nicht alles so, wie Martin und ich es gerne hätten, aber bis zum Erscheinen dieses Stadtführers haben wir ja noch etwas Zeit. Wir wollen zum Beispiel Gegenstände, die jetzt hinter Glas zu besichtigen sind, für unsere blinden Gäste taktil erfassbar machen. Eventuell fertigen wir eine taktile Übersichtskarte an.

 

Die "Berliner Unterwelten" sind eine Erfolgsgeschichte, die auf dem beispiellosen Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern basiert. 1997 ist der Verein als ein Zusammenschluss von Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen gegründet worden. Es fanden sich Akademiker ein, aber auch Handwerker, Justizbeamte, Lehrer, Pensionäre, Polizisten, Rentner, Schüler und viele andere. Jeder von ihnen kann, darf und soll seine bzw. ihre jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Talente einbringen, um diesem ambitionierten Projekt auf die Sprünge zu helfen. Denn mit dem Forschungsschwerpunkt des „Berliner Untergrundes“ ist der Verein offenkundig auf ein bis dahin noch weitgehend brachliegendes Terrain gestoßen. Das zeigt sich auch an der sehr guten Resonanz auf die durch Vereinsmitglieder geschriebenen Bücher, die zum Teil bereits in mehrfacher Auflage erschienen sind.

 

Zitat aus der Homepage: "Unser Hauptanliegen ist es, möglichst viele der unterschiedlichsten unterirdische Anlagen, welche in der Stadt vorhanden sind, aufzusuchen und diese Bauten dann später einmal möglichst einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei kann es sich etwa um Gewölbe, Luftschutzanlagen, blinde Tunnel oder stillgelegte Brauereikeller handeln. Orte also, die im Normalfalle nicht besichtigt werden können. Im Rahmen unserer Möglichkeiten bemühen wir uns darum, historisch bedeutende unterirdische Bauwerke vor dem Abriss zu bewahren und sie für künftige Generationen zu erhalten. Diese Bemühungen haben sich mittlerweile auch weit über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen; immer stärker entwickelt sich der Berliner Unterwelten e.V. zu einem bedeutenden Kultur- und Tourismusfaktor für die Stadt Berlin."

 

Wenn Sie Martin Rauhut in die Unterwelten folgen, wird er Ihnen die Tour 1 zeigen.
Sie bietet den größten Überblick und ist problemlos zu erreichen. Auf der Homepage der 'Berliner Unterwelten e.V.' heißt es: Hunderte von Menschen laufen täglich an einer grünen Tür im U-Bahnhof Gesundbrunnen vorbei, ohne zu ahnen, dass sich dahinter ausgedehnte, authentische und geschichtsträchtige Räume verbergen. Noch heute ist dort unten zu spüren, wie unangenehm es einst gewesen sein muss, in den engen Räumen der Bunkeranlage eingezwängt zu sein. Im Hintergrund das Surren der Lüftungsanlagen und das Dröhnen der Bomber am Himmel. Im Berliner Unterwelten-Museum werden Schwerpunkte wie Bombenkrieg und Luftschutz thematisiert. Gezeigt werden zudem Funde aus Bunkern des ehemaligen Regierungsviertels sowie Kriegsschrott und Bodenfunde als Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges. Im Blickpunkt steht auch die schwierige Thematik „Kriegsbauwerk und Denkmalschutz“. Außerdem erfährt der Besucher viel Interessantes über Dinge, die sich im Berliner Untergrund befinden oder befunden haben.

 

Hörbeispiele

 

Das Unterwelten-Museum zeigt zudem Bilder und Exponate der Berliner Rohrpost, der Brauereikeller und des Abwassersystems. Die Führung von Martin Rauhut dauert etwa 90 Minuten.

 

Berliner Unterwelten e.V.
Brunnenstraße 105
13355 Berlin

 

Ihr persönlicher Ansprechpartner:
Martin Rauhut Mobil: 0173 / 77 01 52 6
Büro-Telefon: 030 / 49 91 05 17
Info-Telefon: 030 / 49 91 05 18
Telefax: 030 / 49 91 05 19
www.berliner-unterwelten.de