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Im Erholungspark Marzahn: Gärten der Welt Berlin-Marzahn
von Pitt Herrmann


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Wenn von Marzahn die Rede ist, häufig in Verbindung mit dem benachbarten Berliner Stadtteil Hellersdorf, ist meist der „wilde Osten“ gemeint mit seinen gigantischen Plattenbau-Siedlungen und den sozialen Problemen im einstigen DDR Vorzeige-Wohnquartier.


Dabei gibt es hier mit dem „Erholungspark Marzahn“ ein vielleicht nicht weltweit, aber sicherlich bundesweit einmaliges Gartenkunst-Ensemble, das jetzt um zwei Attraktionen erweitert werden konnte – den Seouler Garten und den Orientalischen Garten.


Am 9. Mai 1987 öffnete an der Eisenacher Straße in Marzahn die „Berliner Gartenschau“ zur 750-Jahr-Feier der Stadt . Heute ist der 27 Hektar große Erholungspark mit seinen Märchenfiguren im Rhododendronhain, der Findlings-Galerie am Fuße des Aussichtsberges, dem Karl-Foerster-Staudengarten, dem „Blumentheater“ nach Wörlitzer Vorbild sowie der Brunnenmeile, eine grüne Oase im dicht besiedelten Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die nunmehr fünf „Gärten der Welt“ sind ein Anziehungspunkt, der in keinem Berlin-Führer fehlen sollte. Und der in den kommenden Jahren, so der Betreiber Grün Berlin Garten und Park GmbH, weiter ausgebaut werden soll.


2007 wurde der Park durch einen Irrgarten und ein Labyrinth ergänzt. Im Bau befindet sich ein Italienischer Renaissancegarten. Weiterhin ist ein Christlicher Garten geplant.


Der Balinesische Garten


Den Besucher erwartet gleich am Eingang linkerhand ein tropisch-exotisches Gartenerlebnis für das ganze Jahr, denn der im Dezember 2003 eröffnete „Garten der drei Harmonien“ steht in einem Gewächshaus: Das Bautenensemble, Teil eines typischen Wohnhofes im südlichen Bali mit vier Haus- und Familientempeln, soll zum Ausdruck bringen, wie sehr das Prinzip der Harmonie das Leben auf der zu Indonesien gehörenden Insel Bali beeinflusst. Die Tempelschreine stehen – durch eine Mauer abgetrennt – auf einer höheren Ebene als die Wohngebäude und werden nach ihrer jeweiligen Bestimmung zur Verehrung der drei Hauptgötter Brahma, Vishnu und Shiva sowie anderer Götter oder der Ahnen der Familie genutzt.


Einen Garten im europäischen Sinn gibt es im traditionellen Bali nicht. Die Pflanzen werden nicht nach gestalterischen Kriterien, sondern nach ihrer bloßen Funktion genutzt, etwa als Nahrungsmittel, als Medizin oder als Schattenspender. Hinter einer Wohnanlage schließt sich üblicherweise der Urwald an, der in Berlin durch Baumfarne, verschiedene Orchideen, Moose und den duftenden Frangipani (den westindischen Jasmin) nachgestellt wurde.


Der Chinesische Garten


Als Berlin und Peking 1994 den Vertrag einer Städtepartnerschaft unterzeichneten, war dies gleichzeitig die Geburtsstunde des Chinesischen Gartens, der mit einer Fläche von 2,7 Hektar der größte in Europa ist.


Der „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ wurde von Fachleuten aus Peking ausschließlich mit Materialien aus China gebaut. Hier verbinden Uferwege und Brücken das „Berghaus zum Osmanthussaft“, wo die ganzjährig geöffnete Gastronomie unter anderem auch zu Teeseminaren einlädt, mit anderen typischen chinesischen Bauten. Dazu gehören ein oktogonaler Pavillon mit traditionell fernöstlich geschwungenem Dach, ein Teehaus, Zierfelsen, Skulpturen und am Eingang ein Konfuzius-Denkmal. Das Zentrum des reich bepflanzten Gartens aber, dessen Name „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ für die Wiedervereinigung der früher geteilten Stadt Berlin steht, bildet der See.


Der Japanische Garten


Auch der „Garten des zusammenfließenden Wassers“ entsprang einer Berliner Städtepartnerschaft, der mit Tokio. Er wurde von Shunmyo Masuno mit traditionellen Stilelementen eines Zen-Gartens gestaltet und im Mai 2003 eröffnet. Die Faszination dieses Kleinods fußt auf der Fähigkeit der japanischen Planer, die ganze Fülle und Schönheit in einem Garten einzufangen und zu visualisieren.


In Japans berühmten Tempelgärten wird die Essenz der Natur gesucht und man gewinnt den Eindruck, die künstlich gestaltete Natur übertreffe noch die reale Natur an Schönheit und Ausstrahlung. Japanische Gärten sind Orte des Schweigens und des kontemplativen Schauens, so der aus Yokohama stammende Gartendesigner Masuno, der nicht nur Professor, sondern auch Zen-Priester ist. Er schuf in Marzahn einen Garten mit Wasserläufen, Ahornbäumen, Azaleen, Magnolien, aber auch mit imposanten Steinsetzungen, einem Trockenwasserfall und dem zentralen Chaya-Pavillon.


Der „Yuu Seui Tei“ genannte Garten und der Pavillon, der den Namen „Nyo Sui Tei“ trägt, bilden eine in sich geschlossene Gesamtanlage. Beide Bezeichnungen sind Teil des Themas, das für den Japanischen Garten als Ganzes gewählt wurde: „In der Verschmelzung Harmonie finden – wie zusammenfließendes Wasser“. Das Thema des Gartens soll den Wunsch nach einem friedlichen Miteinander aller Menschen zum Ausdruck bringen.


Der Seouler Garten


Der neue Koreanische Garten, eine der jüngsten Attraktionen im Erholungspark Marzahn, ist ein großzügiges Geschenk der südkoreanischen Hauptstadt Seoul an Berlin. Er umfasst eine Fläche von 4.000 Quadratmetern und zeichnet sich durch eine abwechslungsreich gestaltete naturnahe Landschaft aus. Höfe, ein reicher Figurenschmuck und ein „Pavillon am Fluss“ komplettieren den sympathischen Gesamteindruck.


Ein Vorbild des „Seouler Gartens“ ist das „Haus der einsamen Freude“ des Konfuzianers Eon Jeok Lee, das um 1516 errichtet wurde. Im Wind leise klingende Glöckchen, deren Klöppel Fische darstellen, begleiten den Besucher vom aufwendig gestalteten Eingangsbereich, vorbei an Schutzgeistern und Totempfählen, bis hinauf zum Pavillon am Fluß.


Der „Seouler Garten“ soll ein Ort sein, wo Menschen Freude, Anregung und Entspannung in der Natur finden können. Die Planung stammt von koreanischen Gartenarchitekten aus Seoul, koreanische Handwerker haben ihn im Jahr 2005 gebaut und dabei überwiegend originale Bauelemente für den Pavillon, die Mauern und Gitterfenster sowie die Kunstwerke benutzt. Während die naturnahe Anlage dem schamanistischen Volksglauben entspricht, geht die klare räumliche Gliederung auf die konfuzianische Lehre zurück. Die geschwungenen Wege und fließenden Übergänge zwischen Natur und Bebauung schließlich beziehen sich auf die buddhistische Lebensphilosophie.


Der Orientalische Garten


Seit dem 7. Juli 2005 gehört mit dem „Garten der vier Ströme“ ein „Paradies“ zu den Höhepunkten der „Gärten der Welt“. Dieser von einer Mauer umschlossene, durch vier Ströme gegliederte Riyad entspricht symbolisch der Idee vom Paradies, wie sie sich im Alten Testament oder im Koran findet. Der rechterhand des Eingangs gelegene Gartenhof, den die Besucher durch das große „Bab-Al-Janan“, das „Tor des Gartens“, betreten, wurde vom Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi und dem marokkanischen Gartenhistoriker Mohammed El Fai’z gestaltet und steht als „Orientalischer Garten“ für die Gartentradition verschiedener Länder.


Mit den Beschreibungen des Paradieses (altpersisches Wort für Garten: para-deiza) in den Koransuren werden die Gärten zu einem wichtigen Bestandteil der islamischen Kulturen mit Gestaltungselementen, die sich trotz regionaler Verschiedenheiten in den meisten Gartenanlagen wieder finden: Pavillons mit aufwendiger Deckenmalerei etwa, Wasserspiele und ein Quellbrunnen im schattenspendenden Arkadenrundgang.


Irrgarten und Labyrinth


Im Juni 2007 wurde der Erholungspark durch zwei Beispiele für die europäische Gartenkunst ergänzt: einen Irrgarten nach dem Vorbild der berühmten Anlage im Park des britischen Königschlosses Hampton Court und ein Boden-Labyrinth, das dem Muster des Labyrinths in der gotischen Kathedrale von Chartres in Frankreich folgt.


Der Hecken-Irrgarten ist 1800 Quadratmeter groß und besteht aus 1225 immergrünen Eiben. Diese Gehölze sind 2 Meter hoch und fügen sich kunstvoll zu einer 750 Meter langen Hecke zusammen. Ein gepflasterter Weg führt den Besucher in das Zentrum mit großem Ginkobaum und blauem Aussichtsturm. Vier im „Nichts“ endende Sackgassen und zahlreiche Abzweige stellen auf diesem Weg die Geduld des Herumirrenden auf die Probe.


Im Gegensatz zum Irrgarten hat das Labyrinth nur einen Weg, der vom Eingang zum Ziel führt. Dieser Weg verläuft aber in vielen Windungen. Das Labyrinth in den „Gärten der Welt“ ist 320 Quadratmeter groß. Die Wege wurden mit hellen und dunklen Steinen gepflastert. Die hellen Steine markieren den Weg, dem der Besucher folgen muss, um das Zentrum zu erreichen. Hier erwartet ihn dann eine Vertiefung, in der sich das Regenwasser sammelt. Diese glitzernde Wasserfläche wirkt dann wie ein „Spiegel des Himmels“.


Mit diesem Ensemble aus Irrgarten und Labyrinth ist eine Anlage entstanden, die sich der ältesten Gestaltungselemente europäischer Gartenkunst bedient.


Karl Foerster Staudengarten


Mit dem Karl Foerster Staudengarten wird die Kollektion internationaler Gartenkunst mit einem zeitgenössischen deutschen Beitrag bereichert. Im März 2008, zum 134. Geburtstag von Karl Foerster, wurde der Staudengarten nach einer Überarbeitungsphase des seit 1987 bestehenden Kleinods wiedereröffnet. Der Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl Foerster hat mit seinen Büchern, seinem Garten und vor allem mit der Einführung vieler Wild- und Kulturstauden die deutsche und internationale Gartenkultur nachhaltig beeinflusst.


In der Anlage im Erholungspark Marzahn mit 6500 Stauden und Gräsern sind auf komprimierte Weise Foersters Gedanken zum Garten wieder zu finden. Der zentrale, durch eine türkisblaue Holzpergola geprägte Gartenbereich zeigt auf geometrischen Beeten eine Auswahl von Prachtstauden. Ausgelesene Spitzensorten, u.a. von Rittersporn, Sonnenbraut und Astern sind zumeist nach der Foersterschen Idee der Farbdreiklängen wie z.B. ‚Himmelblau-Rosa-Weiß‘ sortiert gepflanzt. Streng geschnittene Buchsbaumhecken geben den anspruchsvollen Pflanzungen einen Rahmen.


Die locker landschaftlich geformten Gartenteile sind im Gegensatz dazu mit zahlreichen Wildstauden, Gräsern und Farnen bepflanzt. Sie zeigen Szenerien wie den Heidegarten, den offenen Waldsaum und eine halbschattige Steingartenpartie, wie Foerster sie in seinen Büchern immer wieder thematisierte. Rasenbuchten, Waldlichtungen und Tiefschattenbereiche leiten fließend in die Landschaften des Marzahner Parkgeländes über. Markante Solitärsträucher wie der malerische Dschunken-Wacholder, die seltene Winterblüte, eine wintergrüne Eiche sowie Winterduft-Heckenkirschen und Schneebälle prägen den Garten auch außerhalb der Blütenhauptsaison. Mit dem Setzen mehrerer tausend Blumenzwiebeln von Buschwindröschen, Krokus, Schneeglanz, Wildnarzisse und Tulpe soll ein weiterer Anspruch Karl Foersters zur ganzjährigen Attraktivitätssteigerung der Gärten unterstrichen werden: „Es wird durchgeblüht!“