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Museumswohnung in der Platte
Das Wohnungsbausystem 70 in der Großtafelbauweise auch genannt: „die Platte“


Nach 1945 wurde die Lösung des Wohnraummangels in den sozialistischen Staaten als eine zentrale Prestige- und Legitimationsfrage behandelt. Die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber den kapitalistischen Ländern galt es repräsentativ darzustellen. Auf dem achten Parteitag der SED 1971 wurde ein Generalplan vorgestellt, dessen Ziel bis 1990 erreicht werden sollte. In der Folge wurden mehr als 1,5 Millionen Wohneinheiten montiert, fast die Hälfte davon als „WBS 70“, das 1972 in Serienproduktion ging. Die neue Produktionsweise ermöglichte es, eine Wohnung inklusive Innenausstattung in 18 Stunden zu montieren. Die vielfachen möglichen Variationen der Grundbauart führten zu einem Schub an kreativen Impulsen. Die Innenwände sind nicht als tragende Wände konzipiert, weshalb der Grundriss variiert werden kann.


Eine Dreiraumwohnung mit etwa 60 Quadratmetern war für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kindern vorgesehen und sehr begehrt, weil sie über Fernwärmeheizung und modernste Ausstattung verfügte. Die Ausstattung kostete damals den Berliner Arbeiter mit einem durchschnittlichen monatlichen Gehalt von 970 Mark etwa 12.800 Mark. Enthalten waren darin Sofa, Sessel, Fernseher, Kühlschrank und Foron-Herd. Vieles von der Einrichtung kam aus den sozialistischen Bruderstaaten.


Die Plattenbauweise sollte das gemeinschaftliche Wohnen, das Kollektiv fördern, indem die Hausbewohner an Pflege und Verschönerung ihrer Wohnumstände teilnehmen konnten. Die Plattenbauten waren die Hauptträger der „goldenen Hausnummer“, die für die Gestaltung eines besonders gelungenen Wohnumfelds vergeben wurde.


Die Museumswohnung ist eine von 42.500 Wohnungen, die im Rahmen des damals größten Wohnungsbauprojekts der DDR in Hellersdorf von 1976 bis 1986 gebaut wurden. Die Miete betrug bis 1990 109 Mark für 61 Quadratmeter. Sie ist auf den ersten Blick mittelständisch bürgerlich eingerichtet, farblich dominieren helle Brauntöne. Von den Sesseln über die Gardinen bis hin zu Eierbechern und Besteck sind alle Gegenstände original aus der DDR erhalten, ebenso die Steckdosen, Lichtschalter und die Türgriffe. Spee-Waschpulver, Erika-Schreibmaschine, RFT-Fernseher und Soda-Siphons ergänzen die Ausstellung. Alle Einrichtungsgegenstände sind betastbar.


Die Wohnung befindet sich in der Nähe des Cottbusser Platzes, direkt im Hochparterre. Etwa 800 Meter nördlich sind die Gärten der Welt. Der Museumsbereich besteht aus zwei Wohnungen, einer Wohnung, die nach Maßgaben von 1986 ausgestattet und erhalten ist und der gegenüberliegenden Wohnung, die im gleichen Schnitt, aber mit anderem Grundriss, über die heute übliche Einrichtung informiert.


Herr Sawatzki ist gern bereit, Führungen anzubieten, in denen auch der Alltag in der DDR angesprochen werden kann.