Inhalt

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Kontakt: Audiodatei zum Download (mp3 - 162 kB)
Text: Audiodatei zum Download (mp3 - 908 kB)


Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtete das sowjetische NKWD auf dem damaligen Industriegelände in Berlin-Hohenschönhausen das Speziallager Nummer 3 ein. Im Oktober 1946 wurde dieses wieder geschlossen und das Gebäude – eine ehemalige Großküche – in den folgenden Jahren als zentrales sowjetisches Untersuchungsgefängnis genutzt. In dem von Häftlingen gebauten Zellentrakt im Keller wurden die Gefangenen (nicht nur Nazis, sondern auch politische Gegner und abtrünnige Kommunisten) physisch und psychisch gefoltert. Das neugegründete Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) richtete im selben Bereich Hohenschönhausens einen militärischen Sperrbezirk ein, der auf keinem Stadtplan eingezeichnet war und den meisten DDR-Bürgern völlig unbekannt war. In diesem Sperrbezirk residierten diverse Abteilungen des MfS, das Gefängnisgebäude wurde als zentrale Untersuchungshaftanstalt übernommen. Gefangene des nahegelegenen Arbeitslagers X mussten einen Erweiterungsbau errichten, der 1961 in Betrieb genommen wurde, ein Haftkrankenhaus folgte. In diesem Gefängnis waren bis zum Ende der DDR fast alle bekannten Oppositionellen inhaftiert.


Nach der Wende wurde das Untersuchungsgefängnis im Dezember 1989 dem Innenministerium unterstellt, in den folgenden Monaten wurden alle politischen Gefangenen entlassen und stattdessen Kriminelle dort inhaftiert. Am 2. Oktober 1990 wurde das Gefängnis dann auch offiziell geschlossen und mit dem Beitritt zur Bundesrepublik den Berliner Justizbehörden übergeben. 1994 wurde es als Gedenkstätte eröffnet, ehemalige Insassen machen dort die Führungen, um die Haftbedingungen in der DDR für Besucher erlebbar zu machen.


Ironie der Geschichte: Der langjährige Minister für Staatssicherheit Erich Mielke, einer der Hauptverantwortlichen für den Unterdrückungsapparat der DDR, wurde im Juli 1990 selbst in sein einstiges Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Seinem Anwalt gelang es allerdings, die Richter davon zu überzeugen, dass die Haftbedingungen dort unzumutbar waren und so wurde Mielke am 4.Oktober 1990 in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit verlegt.


Die Gedenkstätte kann generell nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Für blinde und sehbehinderte Besucher bietet die Gedenkstätte eine spezielle Führung an, bei der die Haftbedingungen zielgruppenorientiert erfassbar gemacht werden, sowohl durch ausführliche Beschreibungen als auch durch das Ertasten von Örtlichkeiten und Gegenständen. Diese Führungen dauern etwa 90 Minuten, teilnehmen können mindestens drei und höchstens neun Personen (Begleitpersonen eingeschlossen); größere Gruppen werden aufgeteilt und kurz nacheinander durch die Gedenkstätte geführt. Anmeldungen zu einer solchen Führung nimmt der Besucherdienst entgegen. Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro (ermäßigt: 2 Euro 50).


Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist für Blinde und Sehbehinderte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schwer zu erreichen. Aus diesem Grund haben wir auf eine Wegbeschreibung verzichtet und raten, die Gedenkstätte zusammen mit einer Begleitperson zu besuchen.