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Miniaturmuseum


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Seit 2007 befindet sich im Untergeschoß des Hotels Morgenland das Miniaturmuseum Arikalex. Im Maßstab 1:12 werden Häuser, Türme und Schlösser gezeigt, die einen Einblick in die Entwicklung der europäischen Architektur und in die Lebens- und Wohnkultur vom 14. bis zum 20. Jahrhundert geben. Die Initiatorin Ulla Klingenbein stellte Teile ihrer Sammlung dem Museum für 10 Jahre kostenlos zur Verfügung. Die Einnahmen kommen dem Verein Arikalex zu Gute, der sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert.


Das Ausstellungskonzept will sowohl Baustile und Einrichtungen erlebbar machen als auch den Zusammenhang von Zeitgeist und Architektur verdeutlichen. Ausgestellt sind unter anderem ein gotisches Haus mit Turm, ein Renaissance Palazzo, das Rokoko Schloss Sanssouci, zwei Jugendstilhäuser und das Britannia Haus. Leider sind die Modelle nicht alle taktil erfassbar, da sich einige in Glaskästen befinden. Das Miniaturmuseum verfügt aber über einen Audioführer, der es ermöglicht, diese Exponate zumindest akustisch erfahrbar zu machen.


Als Anregung für einen Besuch folgen Kurzbeschreibungen der drei größten und beeindruckendsten Modelle:


Das gotische Haus mit Turm
Betritt der Besucher den Ausstellungsraum, erreicht er zunächst das Modell eines gotischen Hauses. Es steht auf einem Podest und wird so in seiner Gesamtheit – vom Hauseingang bis zur Dachspitze - vorstellbar. Die an den Wänden des Ausstellungsraumes befestigten Fassadenteile ermöglichen es, ihre dekorativen Bestandteile taktil zu erfassen.


Das Leben im Mittelalter ist mit dem heutigen kaum zu vergleichen. Die hygienischen Bedingungen in den Städten waren katastrophal: Schmutzwasser, Exkremente und Abfälle wurden auf die Straße geschüttet. Ein großes Problem stellte die Versorgung mit frischem Wasser dar. Es musste entweder aus Flüssen oder Quellen geholt oder von einem Wasserträger gekauft werden.
Aufgrund der Zuwanderung in die Städte entstanden schmale, hohe Häuser mit vorragenden Stockwerken. Auffälligstes Kennzeichen der spätmittelalterlichen Stadt war ihre enge und unübersichtliche Struktur. Sämtliche Gebäudetypen waren dunkel, feuchtkalt und stanken nach Rauch. Mehrere Generationen lebten auf engstem Raum, den sie sich in vielen Regionen Deutschlands zudem mit dem Vieh teilten. So etwas wie Privatsphäre gab es nicht. Mittelpunkt des Familienlebens bildete oft die im ersten Geschoss gelegene Stube, die von einem Ofen beheizt wurde. Sie diente als Küche, Arbeitsraum und Schlafzimmer. Bei der Auswahl der Möbelstücke stand der praktische Nutzen im Vordergrund. Man saß auf Bänken, die fest mit der Wand verbunden waren und manchmal auch als Schlafstätte dienen mussten.


Das Modell bietet neben der Möglichkeit das Haus in seiner Gesamtheit zu erfahren, die Gelegenheit, Teile der Stadtmauer und des Turms anzufassen. Der Besucher kann den Turm sogar aufklappen und einen Blick in das Innere werfen.


Gleich neben dem des gotischen Hauses lockt das Modell des italienischen Palazzo Vendramin Calergi den Besucher. Bis 1797 gab es in der Lagunenstadt Venedig nur einen einzigen Palast – den Palazzo Ducale, den Dogenpalast. Mit dem Fall der Republik ließen die Patrizier jedoch alle amtlich verordneten Skrupel fallen. So wurde aus einem ehemaligen casa (Haus) ein Palazzo.


Venedigs Palastbauweise wurde durch die ungewöhnliche geografische Lage bestimmt: Jeder Palazzo hat einen Eingang vom Wasser wie vom Land, wobei die Hauptfassade immer gegen das Wasser gerichtet ist. Das Erscheinungsbild der Palazzi wurde durch die Luxusgesetze penibel vorgeschrieben. Genau besehen waren es Anti-Luxusgesetze, da die Grundidee darin bestand, den Wohlstand der Stadt und ihrer Einwohner nicht zu sehr zur Schau zu stellen. 1299 waren zum ersten Mal Gesetze zur Regelung des privaten Luxus formuliert worden. 1306 wurden diese widerrufen, 1334 jedoch mit größter Schärfe erneuert und alljährlich durch Gesetzesnovellen ergänzt. Die Luxusgesetze enthielten Reglements zur Fassadengestaltung und darüber hinaus konkrete Vorschriften zur Inneneinrichtung.
Auf nach Venedig!!!


Gleiten wir den Canale Grande in Richtung Rialto hinunter, erhebt sich vor uns der 22 Meter hohe Palazzo Vendramin Calergi, der zu den großartigsten der Stadt zählt. Erbaut wurde er Anfang des 16. Jahrhunderts. Das dreigeschossige Gebäude, dessen gesamte Fassade mit Marmor verkleidet ist, gilt als typisches Beispiel für die Hochrenaissance. Hier im Miniaturmuseum müssen wir uns bücken, um den Haupteingang, den eine Gondel schmückt, taktil erfassen zu können und uns strecken, um das Dach zu erreichen.


Die Fassade gliedert sich in drei gleich hohe Geschosse, die Seitenteile sind kaum merklich vom Mitteltrakt abgegrenzt. Die zentrale Fenstergruppe im Erdgeschoss erhellt den langen Mittelsaal, der die ganze Tiefe des Palastes einnimmt. Die Fenster der gesamten Fassade sind von Säulen umgeben, deren filigran verzierte Kapitelle gut zu ertasten sind. Vor den Fenstern des zweiten Stocks verlaufen fast durchgehende Balkone, auf denen jeweils am Brüstungsanfang und -ende eine kleine Löwenskulptur steht. Die Fenstergruppe des dritten Stocks wird durch einen hohen Fries abgeschlossen, der mit Adler-, Einhorn- und Wappenornamenten geschmückt ist.


Für mutige Besucher steht auf der Rückseite des Modells eine kleine Leiter, mit deren Hilfe man einen Griff auf das Dach wagen kann. Auf der sich dort erstreckenden Plattform wurden üblicherweise Wäsche und Teppiche zum Trocknen oder Lüften aufgehängt. Die meisten Häuser besaßen überdies einen eigentümlichen Schornstein, der in einem auf der Spitze stehenden Kegel endete, welcher als Funkenfang diente. Der Palazzo Vendramin Calergi kannte viele Besitzer: Im Laufe der Jahrhunderte wurde er mehrmals von in Ungnade gefallenen Familien spottbillig weiterverkauft bis ihn die Stadt Venedig nach dem zweiten Weltkrieg erwarb und als Spielkasino einrichtete: Der Zutritt ist den Venezianern allerdings untersagt.


Ohne Sorgen mit Lust und Wein – das Schloss Sanssouci
Die Geschichte von Sanssouci begann im August 1743 mit dem Ausritt Friedrich des Großen zu einem Picknick vor die Tore Potsdams. Auf dem ehemals „wüsten Berg“ ließ er einen Weinberg anlegen, dessen Terrassenkonstruktion eine hohe Sonneneinstrahlung gestattete. Neben einheimischen Rebsorten konnten jetzt auch Weinstöcke aus Italien, Portugal und Frankreich hier gedeihen. Im April 1745 erfolgte dann die Grundsteinlegung für ein Lusthaus. Friedrich der Große orientierte sich in seinen architektonischen Vorstellungen am damals üblichen Lustschlosstyp. Georg Wenzeslaus Knobelsdorff, der bedeutendste Baumeister Preußens im 18. Jahrhundert, entwarf einen Schlossbau in ausgewogenen Proportionen, dessen Leichtigkeit und Eleganz beispielhaft den Stil des Rokoko repräsentieren.


Das eingeschossige Schloss wird durch den großen ovalen Marmorsaal geteilt, über dem sich die riesige Kuppel mit einer Lichtöffnung am Scheitelpunkt zum Himmel erhebt. Von außen sind auf der Kuppel reich verzierte kleine Rundfenster zu ertasten, auf denen Putten mit Weintrauben dargestellt sind. Hier wird das Hauptthema der Fassade aufgegriffen: sans souci – ohne Sorgen mit Lust und Wein. Zwischen den großen Fassadenfenstern ragen jeweils zwei Säulen in die Höhe, kunstvoll mit Bacchantinnen und Bacchanten ausgestattet. Auch auf der Dachbalustrade finden wir Krüge mit Weinreben und Weinblättern. Die Naturverbundenheit und das Motiv der Sorglosigkeit setzen sich in der Innenausstattung fort. Leider sind die hinter Glas aufbewahrten Einrichtungsgegenstände nicht taktil erfassbar.


Stehen wir vor der Rückseite des Modells, befindet sich im Zentrum (unter der Kuppel) der Marmorsaal, gegliedert durch acht Säulenpaare aus Marmor. Im Modell werden weiterhin die Königswohnung, das Konzertzimmer, das Arbeitszimmer, die Bibliothek und mehrere Gästezimmer gezeigt. Der letzte, im Modell dargestellte Raum ist das Voltairezimmer, das seinen Namen einem Irrtum verdankt. Man hatte fälschlicherweise angenommen, der Philosoph und Dichter Voltaire habe es während seines Potsdamaufenthaltes bewohnt. Frühere Beschreibungen bezeichnen es auch als Blumenkammer.


Das Miniaturmuseum Arikalex finden Sie in der Finckensteinallee 23-27 in 12205 Berlin.


Telefon: 030 / 843889-0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Homepage: http://www.hotel-morgenland.de
Öffnungszeiten:
Freitag, Samstag, Sonntag und Montag von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Für Gruppen ab 10 Personen nach Vereinbarung.